Sonntag, 18. November 2012

schnippeln, kleben, freuen


Noch schnell einen kleinen, goldenen Stern drauf und fertig ist sie, meine Weihnachtskarte. Perfekt. Und ganz viel Herzblut und Liebe steckt da drin. Eines steht dieses Jahr bereits fest: Ich werde nicht eine einzige Weihnachtskarte kaufen. Verschickt und verschenkt werden nur selbstgebastelte Karten. Denn dieses Jahr hat es mich gepackt, das Bastelfieber. Ich glaube, so viel wie in den letzten Wochen, habe ich zuletzt in der Grundschule gebastelt. Schnippeln, kleben, Glitzer drauf und Bändchen dran. Und es macht einfach Spaß. Und irgendwie scheint die Begeisterung am Selbstgemachten und Selbstgebastelten in den letzten Jahren stark zugenommen zu haben. In den Buchhandlungen finden sich sehr viele Bastelbücher, die keineswegs nur für Kinder konzipiert wurden. Das passende Material bekommt man nicht mehr nur im Bastel- und Hobbyladen, selbst Supermärkte bieten jetzt wunderschöne Bastelsets an. Und die Zahl der Blogs und Webseiten, die sich mit Basteleien aller Art befassen, wächst von Tag zu Tag.


Wie kommt es denn nun dazu? Ich stelle mir vor, dass es einige Komponenten sind, die alle mehr oder weniger „Bastelwütigen“ verbindet. Nehme man nur einmal die Tatsache, dass man in einer Welt, in der es beinahe nichts gibt, das man nicht fertig kaufen, wieder etwas mit eigenen Händen hergestellt hat. Das muss nicht perfekt sein. Soll es auch gar nicht. Denn oftmals sind diese Basteleien mit viel Mühe hergestellt, Zeit und Geduld wurde investiert. Man lernt Eigenschaften wieder zu schätzen, die manchmal nur zu schnell in unserer hektischen Welt untergehen. Zudem werden diese liebevoll angefertigten Kleinigkeiten gern an einen lieben Menschen verschenkt. Der Beschenkte erhält damit so viel mehr als das materielle Geschenk an sich. Er erhält etwas, in das Zeit, Liebe und Mühe investiert wurden. Wenn man genauer darüber nachdenkt, wird einem bewusst werden, dass dies nie durch einen materiellen Wert aufgewogen werden kann.



Doch auch der Bastler selbst wird sich an der Bastelei erfreuen, ob er sie nun verschenkt oder nicht. Man erinnert sich nicht selten an Momente aus seiner Kindheit, fühlt sich zuhause und schwelgt in Erinnerungen. Meist bastelt man in geselliger Runde oder richtet sich das Ambiente passend ein. Man arbeitet konzentriert für sich allein. Oder veranstaltet nebenbei eine Art Kaffeekränzchen. Als wir in diesem Jahr bereits im Oktober einen frühen Gruß vom Winter erhielten, war das der perfekte Startschuss in die weihnachtliche Bastelsaison. Nach einem Stadtbummel im Schneetreiben ging es los. Kartenmotive, Papier, Sticker, Bänder, Schleifen, Scheren und Kleber wurden ausgebreitet. Dank Internet wurde schnell eine Radiostation gefunden, die Weihnachtslieder spielt. Und so saßen wir im Warmen, bastelten fleißig die ersten Mitbringsel für unsere Lieben und naschten leckere Pralinen, während vor dem Fenster die Flocken tanzten. Perfekter kann ein Basteltag nicht sein!



Einige Geschenke muss man natürlich im Verborgenen anfertigen, denn man möchte den Beschenkten doch nicht die Vorfreude nehmen. Daher werde ich auch nach Weihnachten noch den einen oder anderen Beitrag zum Thema „selbstgemachte Geschenke“ posten. Vielleicht gleich mit den passenden Fotos der Beschenkten. Ich bin schon so neugierig auf ihre Reaktionen, dass ich die Zeit bis dahin schon ganz ungeduldig herunter zähle. Das wird sich wohl nie ändern. Und es stört mich nicht. Denn dieses „Kind“ bewahre ich mir gern im Inneren.


Mittwoch, 14. November 2012

Ein Schloss für die Liebe

  
„Was ist das für eine Gesellschaft in der das Symbol für Liebe ein Vorhängeschloss ist?“ 

Diese Frage konnte man vor einiger Zeit nahe der Hohenzollernbrücke in Köln auf Asphalt geschrieben lesen.








Diese Brücke ist seit vielen Jahren Anziehungspunkt für Liebespärchen, die dort ihre Liebe mittels eines Vorhängeschlosses besiegeln. Keiner kann genau sagen, wo dieser Brauch seine Wurzeln hat. Man mutmaßt, dass es ein italienischer Brauch ist. Die ersten Vorhängeschlösser hätten an der Milvischen Brücke in Rom gehangen. In Köln an der Hohenzollernbrücke hat man mittlerweile über 40.000 Vorhängeschlösser gezählt.


Von „I ♥ you 4 ever“ geschrieben mit schwarzem wasserfestem Stift bis hin zu Schlössern mit Gravur, auf denen die Namen des Liebespaares geschrieben stehen, findet man alles an der über 400m langen Brücke. Schnitzte man früher noch kleine Herzchen in Baumrinden, bringt man heute als Zeichen der Liebe ein Vorhängeschloss an einer Brücke an!? Also in gewisser Weise ist das eine sehr derbe Form von Liebesschwur. Aber rational betrachten sollte man solch ein Vorgehen wohl sowieso nicht. Schließlich handelt es sich um Verliebte, die diese Schlösser anbringen und danach - noch mitten im Liebestaumel befindlich - den Schlüssel im Wasser des Flusses unter der Brücke versenken, wie romantisch. Liebe besiegeln zu wollen, ist allerdings ein altes Phänomen, das schon im Alten Testament aufgegriffen wird, wo es heißt:

„Lege mich wie ein Siegel auf dein Herz, wie ein Siegel auf deinen Arm. Denn Liebe ist stark wie der Tod und Leidenschaft unwiderstehlich wie das Totenreich." (Hoheslied, 8.6)



Dieser Trend lässt sich mittlerweile auch in anderen deutschen Städten beobachten, u.a. auch in Magdeburg, wo ich vor kurzem auf dem Weg zu einem Konzert an einer Brücke nahe des Stadtparks vorbeikam, an der ebenfalls Liebesschlösser hingen.

Es bleibt am Ende nur eine Überlegung: Die einst Verliebten müssten ihren Schlüssel doch eigentlich auch aus dem Fluss fischen, wenn die gewünschte und mit dem Schloss besiegelte „ewige“ Liebe nach einiger Zeit zerbricht. Allerdings werden sie dies sicherlich eher nicht tun. Wahrscheinlicher ist, dass sie im Gegenzug mit ihrem nächsten Partner ein neues Schloss an einer Brücke befestigen und einen neuen Schlüssel in den Fluss werfen werden.

In diesem Sinne … auf ewige Liebe!

Sonst braucht es bald neue Brücken in diesem Land.