Samstag, 16. Juni 2012

Street-Art III: Homestories


Weiter geht es mit unserem kleinen Exkurs in Sachen Street-Art. Heute möchte ich über etwas schreiben, dass mich immer zum Lächeln gebracht hat, wenn ich es gesehen habe. Eine Freundin von mir hat einmal in einem Stadtteil gewohnt, der des Öfteren mit seiner Kreativität überrascht. Dort gibt es Kunst, die man sofort entdeckt und eben auch solche Kunst, die sich etwas versteckt und nur dem öffnet, der genau hinschaut. Wovon ich heute berichten möchte, ist aber eine Kunstform, die sofort ins Auge sticht: Kreative Fassadengestaltung.
housedesign

Die Wandbemalung, von der ich hier rede, nahm sich thematisch am „Bewohner“ dieses Hauses ein Beispiel (daher die Überschrift "homestories") bzw. wurde selbst von diesem gestaltet. Innen fand sich ein kleiner Laden, in dem junge Künstler ihre Kunst präsentieren und an den Mann bringen konnten. Und um das kleine, sonst eher unauffällige, Gebäude besser ins Licht zu rücken, wurde ihm eine tolle Außenhaut verpasst. Dabei wurde weder mit vielen noch mit grellen Farben gearbeitet. Schwarz, rosa und der vorhandene weiße Putz gingen eine Symbiose miteinander ein. Was dann auffiel waren die comic-artigen Gestalten, die sich auf der Fassade tummelten. Bilderrahmen (ohne Inhalt), kleine Wölkchen und ein schwarz-weißer Wirbel (der mich persönlich immer an die Grinsekatze aus „Alice im Wunderland“ erinnerte) zogen die Aufmerksamkeit auf sich. Und ein überdimensioniertes Mädchen blickte einem mit seinen großen Augen entgegen, wobei sie sich aus Mustern zusammensetzte, die genauso im restlichen Bild wieder zu finden waren. Natürlich war sie (typisch Frau) mit einen Handtasche unterwegs und verwies den Betrachter darauf, es ihr doch gleich zu tun. Ihr in das Innere dieses kleinen, wundersamen Gebäudes zu folgen.

unübersehbar
Der kleine Wermutstropfen ist, dass es dieses Kunstwerk nicht mehr gibt. Wie sein Bewohner ist es (an dieser Stelle) Geschichte. Vielleicht wurde die Galerie aufgegeben, vielleicht ist sie auch nur an einen anderen Standort gezogen. Ich hoffe auf letzteres. Das Schöne aber ist doch, dass es weitere dieser Kunstwerke zu entdecken gilt. Vielleicht sogar in meiner Stadt, in meiner Wohngegend. Nur habe ich sie hier noch nicht entdeckt. Oder irgendwo sitzt gerade ein kreativer Kopf, der sich an eine solche Gestaltung wagt. In anderen Städten habe ich ähnliche Werke gesehen. Ein Lied, das sich samt Noten und Text über mehrere Etagen zieht. Oder ein Dinosaurier (keine Angst, es ist ein Pflanzenfresser), der inmitten einer längst vergangenen Ära und doch irgendwie direkt unter uns seine Kreise ziehen darf.
Ich werde die Augen offen halten für weitere Entdeckungen dieser Art. Und sicher auch weiterhin etwas Neues finden, von dem ich in dieser Reihe berichten werde. Erst neulich kam wieder ein Bericht über eine ganz eigene Form von Street-Art in Berlin, die sich aber auch zunehmend in anderen Städten findet. Mehr sei hier noch nicht verraten. Nur so viel, die treibende Kraft geht hier zumeist vom weiblichen Geschlecht aus. Oder doch nicht? Nun, ich werde unserer Hauptstadt demnächst einen Kurzbesuch abstatten. Und wer weiß, vielleicht habe ich Glück und entdecke genau das, von dem ich hier schreibe. Oder eine andere Form von Street-Art. Ich lasse mich überraschen.

P.S. Wer sich das Bild etwas genauer anschaut, wird noch mehr in und abseits dieser Wandmalerei finden. Meinen vorherigen Blogeintrag findet Ihr hier. Und seinen Anfang nahm diese Street-Art-Reihe mit diesem Blogpost.